Arten vom Schimmelpilz

 

Schätzungen zufolge gibt es weltweit etwa 250.000 Schimmelarten, wobei erst 100.000 davon bisher konkret bestimmt wurden. Nur wenige dieser Schimmelpilze sind in Wohnungen und Häusern verantwortlich für Schäden an Bausubstanz und Einrichtung oder gesundheitlichen Folgen für die Bewohner. In Wohnräumen treten am häufigsten der schwarze Schimmel, der grüne Schimmel und der weiße Schimmel auf. Doch auch der gelbe Schimmel und der rote Schimmel sind relevant. Diese werden wiederum teilweise von verschiedenen Arten von Schimmelpilzen verursacht. 

Um sich zu vermehren, brauchen Schimmelpilze Feuchtigkeit und Nahrung. Dieses Nährsubstrat überzieht der Schimmelpilz mit einem watteartigen Belag. Mit ein wenig Zeit können sich so große Pilzkolonien entwickeln. Der Fruchtkörper des Schimmelpilzes ist für die jeweilige Färbung verantwortlich. Um die unterschiedlichen Schimmelpilzarten zu bestimmen, werden Farbe, Struktur und Wachstum des Schimmels herangezogen. 

 

Diagramm über die Schimmelarten

Schimmelarten auf einen Blick:

  • Zur fachgerechten Schimmelbestimmung sollte ein geschulter Experte hinzugezogen werden
  • Der Fruchtkörper des Schimmelpilzes ist für die jeweilige Färbung verantwortlich 
  • Die Bestimmung der konkreten Schimmelart kann nicht allein aufgrund der Farbe erfolgen, es ist ein Schimmeltest erforderlich
  • Am weitesten verbreitet ist grüner Schimmel, die gesundheitlichen Gefahren sind allerdings weniger massiv als bei anderen Arten von Schimmel
  • Gelber Schimmel ist sehr gesundheitsgefährdend, kommt aber in Deutschland selten in Wohnräumen vor
  • Weißer Schimmel bleibt manchmal lange unerkannt, da er unauffällig ist; er wirkt schleimhautreizend und kann nach einer gewissen Zeit zu schwarzem Schimmel werden
  • Roter Schimmel benötigt zum Wachsen Zellulose, die in Papiertapeten enthalten ist, und kann zu Atemwegserkrankungen führen
  • Für Schwarzschimmel kommen verschiedene Schimmelarten infrage, aufgrund hoher Aggressivität ist er in jedem Falle sehr giftig für Mensch und Tier
SSchimmelarten in Haus und Wohnung

 

Vorkommen und Erkennungsmerkmale der häufigsten Schimmelarten im Wohnraum

  • Grüner Schimmel

    Grüner Schimmelpilz

    Der am weitesten verbreitete Schimmel ist der grüne Schimmel „Aspergillus fumigatus“. Seine Sporenträger sind grünlich gefärbt, während die restlichen Bestandteile grau bis weißlich wirken. Er findet sich sehr häufig auf Lebensmitteln und Blumenerde, aber auch auf feuchten Wänden und Decken und kann er sich durch seine Sporen in der ganzen Wohnung ausbreiten. Besonders durch grünen Schimmel gefährdet sind Feuchträume wie Bad und Küche, Fugen und schlecht belüftete Stellen wie unter dem Fußbodenbelag oder hinter Wandverkleidungen. 

    Grüner Schimmel kann unterschiedliche Konsistenzen aufweisen, bildet dabei allerdings zumeist einen flauschigen Belag. Nicht selten tritt er gemeinsam mit andern Schimmelarten auf und bildet so ein buntes Gemisch. 

    Das Gift dieses Pilzes, Gliotoxin, ist nicht extrem schädlich für Tiere und Menschen, wirkt jedoch immunschwächend. Es kann Allergien, Asthma und Kopfschmerzen auslösen und die Sporen können das Lungengewebe befallen und nachhaltig schädigen.

  • Schwarzer Schimmel

    Schwarzer Schimmel am Fenster

    Schwarzschimmel ist der gefürchtetste und bekannteste Schimmel in Wohnräumen. Er wird nicht durch einen bestimmten Schimmelpilz ausgelöst, sondern kann sich aus zahlreichen Schimmelarten und -gattungen bilden. Bisher sind etwa 40 Arten bekannt, die schwarzen Schimmel bilden können. 

    Schwarzschimmel tritt insbesondere bei Feuchtigkeitsproblemen in oder an der Wand häufig auf. Mauern, Tapeten, verputzte Wände und Decken sowie Fliesenfugen sind besonders gefährdet. Große Temperaturunterschiede sind für ihn kein Problem, er gedeiht bei einer Spanne von ca. 6°C bis ca. 45°C. 

    Je nach Schimmelart kann schwarzer Schimmel trocken und pudrig sein oder schleimig und grau. Auch ein über längere Zeit unentdeckter weißer Schimmelpilz wird durch Farbänderung des Fruchtkörpers oft zu schwarzem Schimmel. 

    Alle Arten von schwarzem Schimmel sind aufgrund ihrer Aggressivität und Überlebensfähigkeit für den menschlichen Organismus extrem giftig. Der häufige schwarze Schimmel „Aspergillus niger“ beispielsweise kann unterschiedliche Krankheiten von Allergien über Nierenerkrankungen bis hin zu schweren Infektionskrankheiten auslösen. Ein anderer schwarzer Schimmelpilz, „Stachybotrys chartaru“m, kann zu einer Erkrankung namens Stachybotryose führen, die an Alzheimer erinnert. 

  • Weißer Schimmel

    Weißer Schimmelpilz an der Wand

    Da weißer Schimmel eher unauffällig ist und besonders auf hellen Untergründen wie Putz oder hellen Wandfarben schlecht erkennbar ist, bleibt er oft lange unerkannt und kann sich ungehindert ausbreiten. Erst nach einer Weile verfärbt sich weißer Schimmel und wird dunkler. 

    Weißer Schimmel kommt besonders häufig an Decken- oder Fußbodenecken, in Nischen, hinter Möbeln an Außenwänden und im Keller vor bzw. allgemein in kalten, unbeheizten und feuchten Räumen. Er sollte dabei jedoch nicht mit Salzausblühungen auf Ziegel, Beton und Mörtel verwechselt werden. Hinweise auf weißen Schimmel können ein leicht modriger Geruch oder das Auftreten von Kellerasseln, Silberfischchen oder Staubläusen in der Wohnung sein, da diese auf ein feuchtes Milieu schließen lassen.

    Weißer Schimmel reizt die Schleimhäute und kann so zu Nasennebenhöhlenentzündungen, häufigen Erkältungen, Hautkrankheiten, Halskratzen, Husten, chronischer Bronchitis oder Gelenkschmerzen bei den Bewohnern führen. Diese Warnzeichen werden jedoch nicht selten falsch interpretiert und trockener Wohnungsluft zugeschreiben. Wird dann die Luft zusätzlich befeuchtet, findet der weiße Schimmel noch bessere Wachstumsbedingungen als zuvor .

  • Roter Schimmel

    Roter Schimmel an der Wand

    Der rote Schimmel „Neurospora“ bzw. „Chrysonilia sitophila“ benötigt zum Wachsen große Mengen Zellulose und wird auch als roter Brotschimmel oder Bäckerschimmel bezeichnet. Er findet sich vor allem auf Getreide, in Mehl und in Backstuben. In Wohnungen stellt insbesondere Papiertapete eine ideale Nahrungsgrundlage für den Schimmelpilz dar. Der rote Schimmel tritt häufiger in Bad, WC und Küche auf, da die Nährbodenvoraussetzungen dort besser sind als in anderen Wohnräumen. Der Schimmelbelag ist von eher trockener bis hin zu schleimiger Konsistenz und kann in verschiedenen Rottönen und Farbstärken auftreten. 

    Roter Schimmel kann zu Erkrankungen führen, die in der Lunge auftreten, wie beispielsweise Asthma.

  • Gelber Schimmel

    Schimmelpilzbefall mit gelbem Schimmel

    Der gelbe Schimmel „Aspergillus flavus“ wird aufgrund seines weniger auffälligen Erscheinungsbildes in der Wohnung nicht so stark wahrgenommen wie grüner oder schwarzer Schimmel, kann sich jedoch auch in Wohnräumen ansiedeln. Gelber Schimmel zeigt sich in Wohnräumen seltener strahlend gelb als vielmehr ocker oder braun. In Deutschland ist er aufgrund der hohen Hygienestandards allerdings eher selten. Er kann im Prinzip an den gleichen Stellen wie andere Schimmelarten lauern, bevorzugt aber feuchte Ecken, Baumwollstoffe und Polstermöbel. Seine Konsistenz variiert zwischen trocken, flockig, körnig und schmierig.

    Gelber Schimmel gibt bei seinem Stoffwechsel das Gift Aflatoxin an seine Umwelt ab und ist wie der schwarze Schimmel besonders gesundheitsgefährdend. Aflatoxin kann beim Menschen unter anderem Leberkrebs und Herzversagen hervorrufen. 

Schimmeltest zur Bestimmung der Schimmelarten

Die Erscheinungsformen der einzelnen Schimmelarten sind nicht immer eindeutig. Farbe, Konsistenz und Form können variieren und mitunter kommen Verwechslungen leicht vor. Auch über das gesundheitliche Risiko kann die Farbe des Schimmels nicht ausreichend Aufschluss geben. Um welchen Schimmel es sich genau handelt, kann nur durch einen geschulten Fachmann und eine Laboranalyse geklärt werden. Erst das Ergebnis der Analyse bringt die nötigen Informationen für das weitere Vorgehen und nötige Sanierungsmaßnahmen.

In der Praxis gibt es mehrere Methoden, um mittels eines Schimmeltests die konkrete Schimmelart zu bestimmen. Zuerst wird eine Probe des Schimmels genommen. Es stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, um diese Probe zu nehmen. Das Verfahren hängt auch davon ab, ob der Schimmel sichtbar ist oder es Verdacht auf Schimmelsporen in der Luft gibt. Man unterscheidet in Abklatschprobe, Materialprobe, Staubprobe, Klebefilm- oder Kontaktprobe, Raumluftprobe, Sedimentation, Partikelansammlung und MVOC-Messung. Mitunter werden mehrere Methoden parallel angewendet, um mit Gewissheit einen Befund zu erstellen. Die Proben werden anschließend im Labor untersucht.

 

Mike Hahn, staatlich geprüfter Bautechniker und Sachverständiger für Feuchte- und Schimmelpilzschäden: „Ob und wie gefährlich ein Schimmelbefall tatsächlich ist, lässt sich mithilfe von Luft- oder Materialproben im Labor genau analysieren. Die Schimmelpilzkonzentration der Innenraumluft lässt sich mit KBE/m³ (koloniebildende Einheiten pro Kubikmeter Raumluft) bemessen.“

Schimmelexperte Mike Hahn
Schimmelexperte M. Hahn

 

Fazit - Schimmelarten

Schimmelarten in Wohnräumen sind unterschiedlich gefährlich. Besonders der schwarze Schimmel kommt in Innenräumen oft vor und kann für Schimmelallergien und zahlreiche andere Krankheiten verantwortlich sein. Wird Schimmel entdeckt, sollte mittels eines Schimmeltests die konkrete Art abgeklärt werden, um das weitere Vorgehen und Sanierungsmaßnahmen abzuleiten.

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